Gerd Marschand
Saarländer, Jahrgang 1938 musste zunächst den Beruf des Pflasterers erlernen und damit seinen Lebensunterhalt verdienen, bevor er über Tätigkeiten als Landschaftsgärtner, Forstarbeiter, Dekorateur, Faschingswagen-Bauer und Grafiker - gemalt und gezeichnet hat er immer - sich Ende der 1980er Jahre als freischaffender Künstler anerkannte.
In renommierten Häusern, wie Galerie Hans Redmann Berlin und der Galerie Gunzenhauser München, fanden in jenen Jahren mehrere erfolgreiche Ausstellungen mit Polyester-Figuren, Zeichnungen und Gemälden von Gerd Marschand statt. Eigenwilliger Autodidakt, der er ist, war er dann jedoch nicht mehr bereit, wie er sich ausdrückt, am "Kunstzirkus" teilzunehmen und wird seit 1996 vertreten durch Kunstkontakt Anja Brisólla.
Er arbeitet in Zyklen, die sich, nach intensiven Vorstudien, häufig über Jahre erstrecken und jeweils Aufschluss über sein Lebensumfeld geben. So haben seine Arbeiten aus der Zeit der Hamburger Jahre auf dem Kiez andere Sujets als während seiner Lebensphase im Harz oder im Südwesten Deutschlands. Immer jedoch geht es ihm um genaues Beobachten und präziseste Ausführung in der nach seinem Empfinden vom jeweiligen Objekt geforderten Disziplin: Zeichnung, Aquarell, Acryl-Technik und bei drei-dimensionalen Objekten aus den verschiedensten Materialien Holz, Terracotta, Polyester oder Fundsachen. Mit unendlicher Freude am Detail lässt Marschand seine Werke Geschichten erzählen - Chroniken der Befindlichkeiten seiner Zeit und seiner Umgebung entstehen.
Für seine plein-air-Projekte ist es Gerd Marschand wichtig, direkt vor Ort zu arbeiten und evtl auch eine Zeit lang dort zu leben. So hat er z.B. für das Projekt "Schlossgarten Schwetzingen" ein China-Fahrrad mit Beiwagen zum mobilen Arbeitsplatz umfunktioniert (Foto), was ihm ermöglichte, von seiner Wohnung an den Ort des Geschehens zu fahren und direkt dort zu arbeiten. Aus einem kleinen Traktor, Marke HOLDER, mit Anhänger baute sich Marschand das Gespann "Feldatelier," in dem er 1995 (Foto) und 1997 (Foto) je 3 - 4 Monate in den Rheinauen lebte und arbeitete und im Jahr 2003 eine 4-monatige Reise nach Ladenburg unternahm (Fotos). Die während all dieser Phasen entstandenen Werk-Zyklen wurden in grossen Einzelausstellungen gezeigt.
Einen erneuten Wohnungswechsel nahm Marschand zum Anlass für eine nächste Künstlerreise: Ende Mai 2006 startete er seinen Traktor mit Feldatelier, und diese Tour führte ihn von Deutschlands Süden in nördlicher Richtung bis nach Hamburg. Während er 1.200 km bei einer Geschwindigkeit von ca 10 km/h unter sich hindurchrollen liess, hat er kontinuierlich Notizen im Tagebuch festgehalten. - Kunstkontakt Anja Brisólla war es gelungen, den Hessischen Rundfunk für dieses Projekt zu interessieren, der am 06.06.2006 in seiner Hessenschau einen kurzen TV-Beitrag über die Reise gesendet hat. - Sein neues Domizil erreichte Gerd Marschand nach exakt 7 Wochen (Fotos) . Logbuch-Aufzeichnungen hat er während der gesamten Zeit fortgeschrieben und - wer weiss - vielleicht entsteht daraus eines Tages doch noch ein Kunstwerk!
